Hintergründe

Der Sportmotivtest ist eine Variante des Operanten Motivtests (OMT). Beide Tests dienen der Erfassung impliziter Motive. Der Sportmotivtest verfügt über eine eigene Bildauswahl, die ausschließlich auf Sport und sportliche Tätigkeiten fokussiert. Die Ergebnisse beider Tests sind nicht austauschbar.

Der Impuls für die Entwicklung des Sportmotivtests war die Frage, ob es im Sport ein implizites Gesundheitsmotiv gibt. Wie bin ich auf diese Frage gekommen? Als Sportwissenschaftler habe ich mich im Laufe meines Studiums sehr intensiv mit Gesundheitssport beschäftigt. Der Gesundheitssport hat das große und ungelöste Problem der langfristigen Motivation. Zu viele Menschen hören nur wenige Wochen nach dem Beginn des Gesundheitssport wieder damit auf. Die erhofften positiven Auswirkungen des Sports stellen sich aber nur bei regelmäßiger und langfristiger Teilnahme daran ein. Wenn man Menschen nach den Gründen für Sport fragt, landet Gesundheit als Motiv immer wieder auf dem ersten oder einem vorderen Platz. Als explizites Motiv gehört Gesundheit damit zu den stärksten Motiven im Sport. Warum fällt es den Menschen dann so schwer, sich zu regelmäßiger sportlicher Aktivität zu motivieren?

Parallel zum Studium der Sportwissenschaften habe ich Vorlesungen und Seminare in Psychologie an der Universität Osnabrück besucht. In Osnabrück lernte ich den Unterschied von expliziten (bewussten) und impliziten (unbewussten) Motiven kennen. Die Korrelation beider Motivarten liegt in Untersuchungen immer wieder nahe bei Null. Wie Menschen ihre persönlichen Motive einschätzen hat also nichts damit zu tun, was für Motive sie auf unbewusster Ebene haben. Das allein ist schon spannend genug. Es wird aber noch interessanter: Das langfristige Verhalten wird ausschließlich von den impliziten Motiven beeinflusst. In Längsschnittuntersuchungen über Zeiträume von 10 Jahren und mehr konnten allein die impliziten Motive der Ersterhebung etwas über Beziehungszufriedenheit, beruflichen Erfolg und Karriereerfolg im späteren Leben aussagen. Die expliziten Motive hatten dagegen keine Vorhersagekraft für den langen Zeitraum der Untersuchung.

Könnte es also sein, dass das Gesundheitsmotiv im Sport nicht auf impliziter Ebene existiert? Der Gesundheitssport wirbt für sich überwiegend rational, mit Verweis auf die positiven gesundheitlichen Auswirkungen. Wenn es zu diesem Motiv aber keine Entsprechung auf impliziter Ebene gibt, so ist theoretisch geradezu zu erwarten, dass Gesundheit als langfristiges Motiv für Sport scheitern muss. Das wurde meine Forschungshypothese: Es existiert kein implizites Gesundheitsmotiv im Sport. Wenn das zutrifft, lautet die nächste Hypothese: Der Gesundheitssport scheitert mit der langfristigen Motivation seiner Teilnehmer, solange Gesundheit als Hauptmotiv verwendet wird.

Um die Hypothese zu überprüfen, brauchte ich nur einen Test für implizite Sportmotive. Nur… Das Problem an impliziten Motiven ist, dass sie unbewusst sind. Mit einem Fragebogen kommt man nicht an sie heran. Es sind daher indirekte Messmethoden gefragt, die recht knifflig und arbeitsaufwendig sind. Mitte des letzten Jahrhunderts wurde sehr viel mit solchen Methoden experimentiert, das bekannteste Testverfahren für implizite Motive ist der TAT. Dann kam die kognitive Wende in der Psychologie, es interessierte nur noch die Ratio und die konnte man mit Fragebögen besser erfassen. Fragebögen sind zudem sehr viel ökonomischer in der Durchführung und Auswertung und wurden daher bevorzugt.

Während die arbeitsintensive Forschung an impliziten Motiven in der Psychologie dennoch nicht abriss und bis heute andauert, hat es einen Transfer des gesammelten Wissens in die Sportpsychologie leider nicht gegeben. Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre hat Hartmut Gabler mit dem TAT in der Sportwissenschaft geforscht. Er kam schon damals auf die Idee, die allgemeinen Bilder des TAT durch solche zu ersetzen, die Sportler in Aktion zeigten. Den überraschenden Befund dieses Experiments führte er (zu Unrecht) auf methodische Probleme zurück und die Forschung mit dem TAT und seiner Sportvariante wurde ohnehin eingestellt – aus Gründen der Testökonomie, wie Gabler selbst die Entscheidung begründete. Die Studie von Hartmut Gabler war im deutschsprachigen Raum für lange Zeit der erste und letzte ernstzunehmende Versuch, sich wissenschaftlich mit impliziten Motiven im Sport zu befassen. Erst in den letzten fünf Jahren zeigen wieder einige junge Forscher in Deutschland Interesse an impliziten Sportmotiven.

Als ich mir die Frage nach impliziten Motiven im Sport stellte, gab es kein Messinstrument, mit dem ich meine Fragen hätte untersuchen können. Ich habe so ein Messinstrument zur Erhebung impliziter Sportmotive daher selbst entwickelt. Die Grundmethodik stammt vom OMT, der von Professor Dr. Kuhl entwickelt wurde. Ich habe neue Bilder gezeichnet, die sich ausschließlich um Sport drehen. So entstand der Sportmotivtest. Die Uni Paderborn, namentlich Dr. Astrid Kämpfe, half entscheidend bei der Suche nach ersten Probanden. Die eingesetzten Bilder mussten selektiert und überarbeitet werden, damit sie ihren Zweck möglichst gut erfüllen. In diesem jahrelangen Forschungsprozess hat der Sportmotivtest fünf Versionen durchlaufen, bis er seine jetzige, vorerst endgültige Form erreicht hat.

Die Forschungshypothese, deretwegen der Sportmotivtest überhaupt entwickelt wurde, hat sich übrigens bestätigt. Ein implizites Gesundheitsmotiv im Sport gibt es nicht. Der Einsatzbereich des Sportmotivtests hat sich inzwischen ausgeweitet. Er wird für andere Fragestellungen in der Sportpsychologie verwendet und dient als Diagnostiktool beim Coaching von Spitzenathleten.